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Unterwegs in Los Angeles

Santa Monica Pier // © Sarah Geßner

AUSPROBIERT – Alle Amerikaner, die wir auf Los Angeles angesprochen haben, waren sich einig: Zwei Tage reichen für diese Stadt vollkommen. Wir sind nach 48 Stunden ziemlich durchgewühlt und haben nicht einmal ein Zehntel von dem gesehen, was wir gern gesehen hätten.

Auf nach Hollywood
Als wir von Las Vegas auf einer fünfspurigen Autobahn (mit zwei weiteren Fahrbahnen über uns) in den Großraum Los Angeles kommen, müssen wir uns schlagartig mit neuen Größenmaßstäben vertraut machen. Alles hat Supersize und wir etwas Mühe, unser erstes Ziel im Auge zu behalten: West Hollywood. Einmal eingecheckt in das wunderschöne Palihotel, geht es zu Fuß weiter auf der Melrose Avenue – wollen wir doch mal sehen, wo es sich Heather Locklear und die intriganten Ziegen vom Melrose Place in den 90ern haben gut gehen lassen.

Tatsächlich reihen sich hier schöne kleine und größere Shops wie eine Perlenkette aneinander. Von der Galerie des Star-Fotografen Rankin über das Kuchen-Studio Cakemix bis zur T-Shirt-Bäckerei Johnny Cupcakes – dazwischen Surfshops, Möbelläden, Cafés und Restaurants in mehrheitlich ein- bis zweistöckigen Gebäuden und ein paar Palmen am Wegesrand. Macht man einen Abstecher in die Seitenstraßen, schließt sich unmittelbar ein Wohngebiet mit Vorgärten und Einfamilienhäusern an. Hier kann man es aushalten. Prominente beim Shoppen sehen wir allerdings keine, die scheinen schon im Dauerschönheitsschlaf für die Oscars zu liegen. Und auch wir verlagern unseren obligatorischen Besuch des Walk of Fame auf den Tag der Preisverleihung (fand am 24.02.13 statt).

Unterwegs in Los Angeles // © Sarah Geßner Unterwegs in Los Angeles // © Sarah Geßner

Santa Monica oder einfach mal ans Meer
Es ist Samstag. Zuhause würden wir jetzt über den Einkauf und ähnliches nachdenken, in Los Angeles beschließen wir, ans Meer zu fahren. Was für ein Luxus! Dank ausbleibender Rush Hour und so gut wie keinem Stau sind wir in 30 Minuten am Santa Monica Pier – einer bunten Mischung aus Kindervergnügungspark und Flaniermeile auf Stelzen. Links und rechts stehen Baywatch-Buden auf dem Strand und erste Sonnenhungrige breiten ihre Tücher aus. Wir spazieren in Richtung Venice und dürfen am Muscle Beach glänzend geformte Körper bewundern, die die aufgestellten Fitnessgeräte mit ernsthafter Inbrunst bearbeiten. Ernsthaft ist auch das Shopping-Getümmel auf Santa Monicas 3rd Street, aber einen Besuch bei Apple und Urban Outfitters können wir uns nicht verkneifen. Noch schnell einen Hot Dog Stick verdrückt und ab ins Auto Richtung Downtown – das soll ja jetzt Hipster-Town sein.

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Downtown – ein urbanes Abenteuer
Trotz Navi und Blockbauweise verfransen wir uns zwischen den Hochhäusern und Einbahnstraßen am späten Nachmittag in Downtown Los Angeles, einem Stadtgebiet das noch vor gut 10 Jahren die wenigsten Besucher freiwillig angesteuert hätten. Ich will es aber sehen, denn hier sollen Alt und Neu in Bewegung sein, eine Kunstszene und einer meiner heißgeliebten Frank Gehry-Bauten beheimatet sein. Als der nette Hotel-Mitarbeiter am Abend zuvor Downtown als „rough“ bezeichnet, denke ich, dass er uns für touristische Weichwürste hält. Aber er soll Recht behalten.

Als wir im Grand Central Market, einer historisch-heruntergekommenen Markthalle mit außergewöhnlich vielen Neon-Schildern, landen, ahnen wir, was er meint. Auf unserem Weg über den South Broadway stimmen wir ihm voll und ganz zu. Im The Last Bookstore – einem riesigen alten Bücherpalast auf der Spring Street – scheitern wir an einem rüden Sicherheitsmenschen, der uns zwingen will, unsere Tasche mit samt Kamera und Co. in einem offenen Regal neben dem Eingang zu deponieren. Das mag ängstlich und kleinlich klingen, aber wir ziehen es vor, unsere Sachen wieder ins Auto zu packen und weiterzufahren. Nur ein paar Blocks entfernt thront die Walt Disney Concert Hall auf einem Hügel, knapp darunter das LA Times Hauptquartier. Wir starten also eine neuen Versuch und staunen nicht schlecht, als sich auf der South Grand Avenue ein Luxushotel an das nächste schmiegt. Kurz nach Sonnenuntergang sind wir auf der Dachterrasse des The Standard Hotel und schauen uns alles von oben an. Beeindruckend! Und dabei haben wir unser eigentliches Ziel, zwei frisch eröffnete Restaurants auf der 7th Street, gar nicht mehr erreicht.

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And the Oscar goes to
Am späten Abend spazieren wir auf dem Sunset Boulevard am Chateau Marmont vorbei und sehen den späteren Oscar-Gewinner Ang Lee auf dem Weg zu einer Party. Noch ist überall freie Durchfahrt. Am nächsten Morgen sieht das auf dem Hollywood Boulevard schon ganz anders aus. Mehrere Blocks rund um das Dolby Theatre haben sich in eine Hochsicherheitszone verwandelt. Man könnte meinen, dass hier Staatschefs zu einem G8-Gipfel erwartet werden. Es ist der Tag der Oscar-Verleihung und wir können – nachdem wir uns polizeilich haben filzen lassen – einen Blick auf das werfen, was keine Fernsehkamera der Welt zeigt: Riesige Absperrgitter und Maschendrahtzäune, die alle Interessierten möglichst weit weg vom Geschehen halten. Dahinter ein paar arme Teufel, die den roten Teppich saugen. Vergebens, denn kurz darauf fährt eine Polizei-Motorradstaffel darüber. Den wartenden Fans, die auf ihren zusammengerollten Schlafsäcken sitzen, ist trotz allem die Entschlossenheit anzusehen. Es gibt also doch noch echte Gefühle in Hollywood.

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Und für diese Stadt reichen zwei Tage vollkommen – um sicher zu sein, dass wir auf jeden Fall wiederkommen.

 

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